19. August 2026
Brandschutz-Revision: Mehr Flexibilität, mehr Verantwortung
Ab Herbst 2027 sollen die Brandschutzvorschriften risikobasierter und schweizweit einheitlicher angewendet werden. Das eröffnet Bauprojekten mehr Spielraum für verhältnismässige Lösungen – stellt aber auch höhere Anforderungen an Risikobeurteilung und Dokumentation. Was das für die Praxis bedeutet, diskutierten Experten am diesjährigen Brandschutz-Fachpodium von Gruner.
Weniger Checkliste, mehr Risikokompetenz: Die geplante Brandschutz-Revision verschiebt den Fokus von der formalen Vorgabe zur begründeten Lösung. Brandschutz soll damit früher und verbindlicher in die Planung einfliessen
Wie sich dieser Ansatz auf Planung, Entwicklung und Bewilligung auswirkt, diskutierten Fachpersonen am Brandschutz-Fachpodium von Gruner am 4. Juni in Zürich. «Mehr Flexibilität bedeutet nicht weniger Brandschutz – im Gegenteil: Wer risikobasiert plant, muss seine Entscheide noch besser begründen», sagt Bojan Stevanovic, Leiter Brandschutz bei Gruner in Zürich, der durch den Anlass führte und die Revision zum Anlassauftakt aus fachlicher Sicht einordnete.
Wie weit die neuen Vorgaben in die Baubranche hineinreichen, zeigte die anschliessende Podiumsdiskussion mit Stimmen aus Entwicklung, Planung und Bewilligungspraxis. Stefan Gabriel, CEO der Fortimo AG, schilderte die Sicht der Immobilienentwicklung; Sebastian El Khouli, Partner bei BGP Architekten und Leiter Nachhaltigkeit und Bauen im Bestand, beleuchtete die planerischen Folgen; Ivan Bettera, Fachverantwortlicher Bau- und Feuerpolizei bei Gossweiler, ordnete die Anforderungen aus Sicht der Bewilligungspraxis ein.
Einheitlichere Brandschutzvorschriften in der Schweiz
Ein zentrales Ziel der Revision ist eine schweizweit einheitlichere Anwendung der Brandschutzvorschriften. Gerade bei komplexen oder kantonsübergreifenden Projekten würde dies mehr Transparenz, effizientere Prozesse und höhere Planungssicherheit bedeuten: «Einheitliche Anforderungen über Kantonsgrenzen hinweg würden Projekte somit vereinfachen und die Vergleichbarkeit erhöhen», so Stefan Gabriel, CEO der Fortimo AG. Das St. Galler Immobilienunternehmen begleitet Wohn- und Tourismusprojekte über ihren gesamten Lebenszyklus.
Risikobasierter Brandschutz und ALARP-Prinzip
Zugleich gewinnt der risikobasierte Brandschutz an Bedeutung. Künftig dürfte stärker gefragt werden, welches Risiko im konkreten Projekt besteht — und welche Massnahmen es wirksam und verhältnismässig reduzieren. Dabei rückt auch das ALARP-Prinzip stärker in den Fokus, wonach Risiken so weit gesenkt werden sollen, wie dies sinnvoll, praktikabel und verhältnismässig ist. «Dabei wird es nicht darum gehen, jede theoretisch mögliche Schutzmassnahme umzusetzen», sagt Bojan Stevanovic. «Entscheidend wird sein, ob eine Massnahme das konkrete Risiko wirksam und verhältnismässig reduziert.»
«Mehr Flexibilität bedeutet nicht weniger Sicherheit»
Mehr Flexibilität bedeutet nicht, dass zentrale Sicherheitsanforderungen relativiert werden. Darauf wies Ivan Bettera, Fachverantwortlicher Bau- und Feuerpolizei bei Gossweiler, hin: «Bestimmte Anforderungen, etwa bei Fluchtwegen oder der Personenbelegung, bleiben unverzichtbar. Die Herausforderung besteht darin, Risiken nachvollziehbar zu bewerten und gleichzeitig ein hohes Sicherheitsniveau sicherzustellen.»
Weniger Checkliste, mehr Teil guter Planung
Aus planerischer Sicht verschiebt die Revision den Fokus in die frühen Phasen des Planungsprozesses. Für Sebastian El Khouli, Partner bei BGP Architekten und Leiter Nachhaltigkeit und Bauen im Bestand, geht es darum auch um ein integriertes Verständnis von Brandschutz: «Künftig wird stärker gefragt werden, welches Risiko tatsächlich besteht und wie dieses angemessen reduziert werden kann.» Brandschutz werde damit weniger zur Checkliste am Schluss — und stärker zu einem Bestandteil guter und frühzeitiger Planung.
Mit der Revision muss der Brandschutz früher in die Planung einfliessen
Mit dem risikobasierten Ansatz steigen die Anforderungen an alle Beteiligten, so das Fazit der Expertenrunde. Planende, Brandschutzexpertinnen und -experten sowie Bauherrschaften müssen Risiken fachlich beurteilen und Entscheidungen nachvollziehbar begründen. Für Bojan Stevanovic zählt dies zu den wichtigsten Veränderungen: «Wenn Risiken künftig stärker projektspezifisch bewertet werden, braucht es Fachleute, die Verantwortung übernehmen und belastbare Lösungen entwickeln können. Dies funktioniere nur mit fundierter Expertise.»
Weiterbildung im Brandschutz
Die Brandschutzkurse von Gruner vermitteln praxisnahes Fachwissen zu aktuellen Vorgaben, konkreten Anwendungsfällen und bewährten Lösungen.
Jetzt Brandschutzkurs entdecken: Hier gehts zur Übersicht und zur Online-Anmeldung.
Die Podiumsgäste Ivan Beterra (Gossweiler), Sebastian El Khouli (BGP Architekten), Stefan Gabriel (Fortimo AG) sowie Moderator und Gastgeber Bojan Stefanic (Gruner) nach der Veranstaltung in Zürich.
© Gruner
Im Rahmen der Podiumsdiskussion diskutierten Bojan Stefanic, Stefan Gabriel, Sebastian El Khouli und Ivan Beterra über die Auswirkungen der neuen Brandschutzvorschriften auf Planung, Bewilligung und Umsetzung von Bauprojekten.
© Gruner
Beim anschliessenden Apéro nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zur Vernetzung rund um aktuelle Themen im Brandschutz und Hochbau.
© Gruner